do not cite without permission by the author

Diese Aufforderung findet man immer häufiger bei online Publikationen. Da verschwimmen einem sämtliche Verhaltensnormen vor den Augen und den Sinnen. Ich werde mich hüten, ein konkretes Beispiel zu zitieren - Sie können sich’s ja ergoogeln oder vielleicht auch yahooen- es gibt massenweise Treffer, wenn Sie den “tag” dieses Blogs als Suchanfrage eingeben. Vielleicht ist das ja auch die Zitationsweise für die Zukunft: “Bitte ergoogeln Sie sich die Vordenker!”

Eines der wichtigsten szientometrischen Maße zur Ermittlung wissenschaftlicher Qualität ist das “Zitieren und Zitiert Werden”. Daraus werden Zitationsindex, Impact-Faktoren und dergleichen Größen als Score oder Ranking wissenschaftlicher Güte ermittelt. Lieber einen zuviel als einen zuwenig zitieren, hat mir mein Doktorvater seinerzeit noch beigebracht. Also, jenseits jeglichen Rankings geht es hier ja vor allem um die Anerkennung vor-geleisteter Anstrengungen Anderer. Natürlich kann man mit Zitieren Politik betreiben. Sokal und Bricmont haben in ihrer Schmähschrift gegen die “postmodernen Denker” vor allem die Praxis des Zitierens der richtigen Leute - sprich der Türöffner - angeprangert und meinten, dass man jeden Mist publizieren kann, wenn man nur die Richtigen Koryphäen zitiert.

“Do not cite without permission by the author”, klingt nach einer Bitte einer wissenschaftlichen FreundIn, die einem ein Manuskript privat zur weiteren Diskussion überlassen hat. Es ist mehr als selbstverständlich, dass sich jede WissenschaftlerIn mit Ehrgefühl daran zu halten hat. Aber nochmals, diese Zeile “do not cite without permission by the author” finden Sie zuhauf im Internet, das mehr Rezpienten zugänglich ist als jede sonst irgendwie denkbare Publikationsform oder Kommunikation. Ist also die Motivation für die Klausel “do not cite without permission by the author”, wie im besagten Beispiel der privaten Weitergabe eines ersten unausgegorenen Ideenfurzes, die vorherige Rücksprache mit dem befreundeten oder privat bekannten Autoren der Grund, dann glauben die Autoren also, dass man im world wide web so verfahren kann, als ob es privat wäre.

Ok, nun hat sich im Internet ein völlig neuer Ethos herausgebildet. Da wird erstens wirklich jeder Mist publiziert. Den Meisten ist das entweder nicht bewusst oder wurscht (also gewollt). Auf jeden Fall wollen sie natürlich ihre Meme viral verbreitet wissen. Wer nun “do not cite without permission by the author” der Publikation beifügt, ist sich also bewußt, dass es Mist ist und will diesen nicht verbreitet wissen, oder? Immerhin ist ein großer Teil der Publikationen mit diesem Beisatz ein als “Draft” vermerktes Schriftstück, also ein eventuell noch zu überdenkender Text, weil unausgegoren. “Do not cite without permission by the author” kann also bedeuten, suche und zitiere die nach diesem Draft publizierte finale Version. Aber was, wenn man eine solche nirgends aufspürt, was häufig passiert, auch nach studenlanger Googelei? Zu erwähnen ist zudem, dass viele Publikationen mit diesem Vermerk nicht als Draft gekennzeichnet sind, sondern eher den Eindruck vermitteln, dass es sich hier um eine in dieser Form abgeschlossene Publikation handeln.

Ok, zugegeben, man wird gelegentlich im Internet auf reichlich dubiosen Seiten erwähnt, wo man sich eigentlich nicht so recht vorortet sieht. Rufen wir uns ins Gedächtnis, die meisten wissenschaftlichen Skandale in den letzten Jahren, z.B. der Fleischman-Pons-Skandal oder das gefakte Stammzellenergebnis, wurden in den hochrangigsten wissenschaftlichen Journals (mit dem größten Impact-Faktor) publiziert. Sind alle von den Skandalautoren zitierten WissenschaftlerInnen damit diskreditiert? Hätten sie sich schützen müssen durch den Zusatz “do not cite without permission by the author”? Ist diese Klausel von nun an obligatorisch?

Also, ich wälze seit Stunden Gedanken zu Gründen, die ein “do not cite without permission by the author” vernünftig rechtfertigen würde (mit Ausnahme einer privaten Weitergabe eines Manuskripts). Für mich gilt: Ich werde ganz sicher niemanden nach Erlaubnis fragen, ob ich vor-gedachtes zitieren darf. Ich werde solche Arbeiten mit diesem Zusatz also ignorieren und dabei sicher kein schlechtes Gewissen haben. Selber Schuld!

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