Archive for September, 2007

Urknalle - Ereignisse - Zeit

Samstag, September 29th, 2007

Heute möchte ich eine (fast) anschauliche Erklärung liefern, was “performative Wissenschaft” ist - selbst auf die Gefahr hin, sowohl von den Physikern, als auch von den Philosophen gelyncht zu werden. Also ich gehe dazu vom Urknall aus. Das wird ja meiner Physiker-Natur noch gerecht. Der Urknall als solcher ist ja keine wirklich einfach zu verstehende Angelegenheit. Es handelt sich um eine raumzeitliche Singularität, also etwas, dass weder räumliche noch zeitliche Struktur hat. Obwohl es einige Hirnakrobatik von einem abverlangt, hat sich - so glaube ich - herum gesprochen, dass es keinen Sinn macht zu fragen, was vor dem Urknall war. Es gab keine Zeit vorher. Die fing mit dem Urknall an. Genauso ist es mit dem Raum. Vorher Null Struktur. Dann plötzlich differenziert sich das Universum aus. So gesehen sind Raum und Zeit logischerweise innigst miteinander verquickt.

Wer diese Kröte geschluckt hat, kann sich ja nun leicht vorstellen, dass man Ereignisse als Mini-Urknalle definieren kann, die etwas ins Leben rufen und dieses Etwas mit Zeit ausstatten und ihm einen Raum geben. Es trägt zur bereits bestehenden Zeit und zum Raum bei. Der Unterschied zur traditionellen Physik ist der, dass dort sowohl Zeit als auch Raum an sich als homogenes Ganzes gegeben sind und die physikalischen Ereignisse sich IN dieser Zeit und IN diesem Raum ereignen. Sie ergeben sich dynamisch aus den bereits gegebenen Strukturen, was vermöge einer Differentialgleichung und einer wahrscheinlichkeitstheoretischen Mastergleichung beschrieben wird. Mehrere Singularitäten kann sich die Physik offenbar nicht vorstellen, es sei denn, sie sind in ein wahrscheinlichkeitstheoretisches Weltbild einbettbar.

Nun gibt es - so meine Annahme - sehr viele Ereignisse, die sich durch eine derartige “Fortpflanzung” der bestehenden Ereignisse problemlos beschreiben lassen. Die Physik hat einen wirklich riesigen Anwendungsbereich. Die dort betrachteten Ereignisse gehorchen einer physikalischen Ereigniskausalität. Es gibt aber, so meine Überzeugung, kontingente Ereignisse, die zur Generierung von Raum und Zeit beitragen. Sie ereignen sich nicht IN der Zeit sondern konstituieren die Zeit. Es ist meine Interpretation der Arbeiten von Ilya Prigogine (dissipative Strukturen) als auch von Otto E. Rössler (Endophysik), diese Problematik erkannt zu haben, weshalb beide an einem neuen Zeitbegriff arbeite(te)n. Prigogines Zeitoperatoren, die eine intrinsische Eigen-Zeit pro Objekt hervorbringen und Rösslers Kausalvazillationen, die eine Art fraktal verrauschter Zeit hervorruft, sind die dort anzutreffenden Konzepte.

Allein, so meine eigene Hypothese, lässt sich konsistent innerhalb der Aussagenlogik der Physik die Kontingenz nicht erfassen. Dazu brauchen wir eine performative Logik, die leider oft als primitiv erachtet wird. Aus physikalischer Sicht könnte man sich eine Performance eigentlich sparen, wenn man die Gesetzmäßigkeit (das Libretto) erfasst hat. Aus der Sicht einer performativen Logik ist die Aufführung mit ihrer kontingenten und einmaligen Präsenz nicht durch die Repräsentation vollständig erfassbar. Dies zu beschreiben verlangt nach neuen Methoden. Die performative Wissenschaft versucht solche auch für die Physik zu finden.

unplugged heads 2.0 am INM

Montag, September 24th, 2007

Mit dem Wissenschaftssalon am 11. September 2007 haben wir nun einen neuen Startpunkt unserer regelmäßigen Diskursveranstaltungen am INM-Institut gesetzt. Ab dem 09. Oktober 2007 beginnen wir mit „unplugged heads 2.0“!

“unplugged heads 2.0″ dienen der inter- und transdisziplinären Diskussion über wissenschaftliche, künstlerische und gesellschaftliche Entwicklungen in thematischer Nähe zu technologischen und anwendungsbezogenen Konzepten der Neuen Medien. Künstlern, Wissenschaftlern und Anwendungsexperten wird die Gelegenheit gegeben, ihre gegenwärtigen und zukünftigen Visionen angesichts der Evolution der Neuen Medien zur Diskussion zu stellen.

Unsere öffentlichen Diskurslabore „unplugged heads 2.0“ finden monatlich - am zweiten Dienstag im Monat – jeweils ab 18.00 Uhr im INM-Institut für Neue Medien in der Schmickstraße 18, 60314 Frankfurt am Main statt.

Auftakt der “unplugged heads 2.0″ findet am Dienstag 09.Oktober 2007 um 18.00 Uhr zum Thema „Querdenken – Form und Funktion des INM-Instiut für Neue Medien“ statt. Die Sitzung wird von Dr. Michael Klein, Direktor des INM moderiert.

Das Projekt “Grundlagenforschung - performative Wissenschaft” beteiligt sich an den “unplugged heads 2.0″. Im ersten Halbjahr werden zwei Sitzungen von Dr. Hans H. Diebner zu bildwissenschaftlichen Themen moderiert.

Am Dienstag 08.Januar 2008 um 18.00 Uhr gibt es einen Dialog zum Thema „Über das künstliche Leben im Bilde“. Referentin: Mag. Inge Hinterwaldner, Graduiertenkolleg “Bild und Wissen” bei eikones (NFS Bildkritik) an der Universität Basel.

Über das künstliche Leben im Bilde

Von Inge Hinterwaldner

Ausgehend von künstlerischen wie wissenschaftlichen Anwendungen im Bereich des Artificial Life wird die Rolle des Bildlichen in Kombination mit Interventionsmöglichkeiten bei der Schaffung von Wissen diskutiert. Wie häufig bei in Echtzeit verfolgbaren Computersimulationen generell, wird auch beim simulierten künstlichen Leben oft “übersehen” was durch die Visualisierung geschieht. Man sieht jedenfalls nicht die zugrunde liegenden mathematischen Modelle. Die erhobenen Daten werden zu allererst als Einheiten gebündelt, auf die sich die Interaktionen wie Narrationen konzentrieren. Des weiteren evoziert Bewegung als Gestaltungselement (nicht als Effekt) auf verschiedene Weise Lebendigkeit.

Weitere Vorankündigung:

Am Dienstag 12.Februar 2008 um 18.00 Uhr findet ein Dialog zum Thema “Die Form des Chaos - Bilder der komplexen Dynamik in Forschung und Medienkunst” statt. Referentin: Mag. Nina Samuel, Graduiertenkolleg “Bild und Wissen” bei eikones (NFS Bildkritik) an der Universität Basel.

Alle Termine des ersten Halbjahrs: „unplugged heads 2.0

GLOKALE KUNST & DIE ÄSTHETIK DER ZUSAMMENARBEIT

Donnerstag, September 6th, 2007

“Hugging und Kunst“ - the Gao Brothers im INM
Freitag, 14. September 2007, 18.00 Uhr

INM-Institut für Neue Medien
Schmickstraße 18, 60314 Frankfurt am Main

Sie sind herzlich eingeladen zu einem Abend mit Präsentation und Diskussion zur Kooperation und Zusammenarbeit in der Kunst, anschaulich gestaltet anhand zweier aktueller Projekte:

Die `Utopie einer zwanzigminütigen Umarmung’ der chinesischen Künstler The Gao Brothers ist eine Performance, deren deutsche Premiere am 11. September 2007 mitten im Zentrum von Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfindet.

‘Field of Vision’ des deutschen Künstlers Stephan Hausmeister orchestriert in einer Serie von Einzelprojekten Begegnungen flüchtig vernetzter Online Communities mit dem Galeriepublikum an kulturell und geographisch spezifischen Orten rund um die Welt. Im Oktober 2005 fand die deutsche Premiere von „Field of Vision“ am INM hier in Frankfurt statt.

Unsere Gäste:

Gao Zhen und Gao Quian zählen zu Chinas bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Am 11. September 2007 findet in Berlin auf dem Pariser Platz im Rahmen der „Asien und Pazifik Wochen“ eine Hugging Performance statt.

Malcolm Ferris, Kurator und Medientheoretiker, University of Hertfordshire und Plymouth College of Art & Design, Großbritannien

Stephan Hausmeister, Künstler und Kurator, Großbritannien.