SIS.TMisches Denken
Samstag, August 25th, 2007Mit dem Untertitel “Brutstätten eines ernsthaften gesellschaftlichen Problems” drückt Dominique von Burg im soben erschienenen Kunst-Bulletin (Sept. 2007, Seiten 24-29) in noch drastischerer Form eine Kritik aus, die ich zumindest in Bezug auf die angebliche demokratisierende Wirkung des Internets nicht nur hier in diesem Publikationsorgan wiederholt geäußert habe. Neben den Problemen (ausgedrückt in meinen Worten) des viralen marketings, dem sich auch manche Künstler verschreiben, sowie Problemen der Selbstreferentialität (kybernetische Ironie), thematisiert von Burg das ausufernde Problem der Internetpornographie. Die Auswirkungen des Systems würde ich Verdinglichung nennen, aber auch vor einer Pauschalisierung warnen. Ich selbst nutze dieses Medium quasi als Selbstverlag. Von Burg scheut sich nicht, bei einigen Beobachtungen in der Blogosphäre von Realitätsverlust zu sprechen. Angesichts der systemischen Ein- und Unterordnung vieler Künstler ins System Internet ist sehr zu begrüßen, dass endlich jemand das Problem im Kunstkontext diskutiert. Von Burg schreibt, “Wenn auch die Gruppe der Netzkünstler zunehmend wächst, scheinen diese mehrheitlich das Medium zu feiern oder rein technisch zu erkunden.” Ich teile diese Ansicht und natürlich die Freude Dominique von Burgs, dass der Künstler SIS.TM aka Sis Taggman dieses systemische Verdinglichungsproblem losgelöst von der vorherrschenden Selbstreferentialität des Internets angeht und seine Arbeiten demnächst in einer Reihe von Ausstellungen zeigt. Obwohl ich die Arbeiten (noch) nicht kenne, scheinen sie aufgrund des Beitrags von von Burg ein Empfehlung wert zu sein. Siehe SIS.TM.
