Performative Wissenschaft in Bogotá
Samstag, Juli 28th, 2007Vom 12. Juni bis zum 6 Juli 2007 hielt ich zusammen mit Andrés Burbano an der Universidad de los Andes in Bogotá einen Kurs mit dem Titel
Entre el Arte y la Ciencia
o: ciencia performativa
Between arts and science
or: performative science
ab. Es hatten sich 40 Studierende aus 20 verschiedenen Disziplinen angemeldet. Ich war neugierig, ob wir dieser Herausforderung gewachsen sind. Die Rechnung ging auf. Hier ist das Programm des Kurses (in Spanisch) einzusehen.
Die Spannbreite reichte von einem historischen Abriss über Francisco José de Caldas bis hin zu “social network modelling”. Neben Caldas’ Forschungen, der auch zusammen mit Alexander von Humboldt Expeditionen unternahm, wurden die Expeditionen von und mit José Celestino Mutis sowie die Comisión Corográfica von Agustín Codazzi erläutert. Letztere inspirierte eine Gruppe von Studierenden zu ihrer Seminararbeit: Ein audio-visuelle, virtuelle Choreographie Codazzis Routen unter Benutzung von google earth und historischem Bildmaterial. Mit Sicherheit wird man von dieser Arbeit noch hören und sehen. Aber auch die Umsetzung einer anderen Studierendengruppe zählt zu den Highlights des Kurses: Eine Steuerung einer Ventillatoranordnung mit Daten aus dem Lorenz-Modell - also eine Rückübersetzung des berühmten meteorologischen Modells in “Wetter” - sowie die Zubereitung von kolumbianischen Candies in Rössler-Attraktor-Form - also eine Rückübersetzung der berühmten Legende, dass Otto Rössler den nach ihm benannten Attraktor durch Beobachten einer Candy-Knetmaschine ableitete. Auszüge aus den studentischen Präsentationen werden in Kürze publiziert werden. Auch in diesem Blog werde ich gelegentlich darauf zurück kommen.
Auf großes Interesse stießen auch die Audifikationen und Sonifikationen von komplexen Beobachtungsdaten und Modellen. Von der wissenschaftlichen Qualität dieser performativen Zugangsweisen waren alle überzeugt. Einige Studierende haben daraufhin überzeugende Sonifikationen von astro-physikalischen Beobachtungsdaten vorgestellt. Aber auch Photoarbeiten wurden präsentiert. Hier künstlerische Interpretationen von Stammzellen.
Es bleibt zu wünschen, dass diese Art Wissensvermittlung auch in Europa umsetzbar wird. Einige der wenigen Ausnahmen, die zu verzeichnen sind: Institut Y, Bern und Performative Creativity