Archive for Januar, 2007

Kunst=Anti-Wissenschaft?

Samstag, Januar 13th, 2007

Wie positionieren sich Kunst und Wissen zueinander?

Kunst-Schaft = Anti-Wissen-Schaft oder Konter-Wissen-Schaft?

Die ausführliche Frage steht hier: Kunst und Wissen.

Was eine mögliche rudimentäre Antwort angeht, so sehe ich heute mal von Eigenwerbung ab und schlage vor, mal bei  “Phasen - Ein Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft” nachzuschauen.

Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und das Immunsystem

Freitag, Januar 12th, 2007

Angesichts der verschwindenden Grenzen in fast allen Bereichen sind möglicherweise reaktionäre “Rückbesinnungen” auf alte Wertekanones fast zwingend zu erwarten. Auch als Verfechter der Idee, Kunst und Wissenschaft als ein komplementäres System mit Wechselwirkungen der beiden Teile aufzufassen, die eine gesamtkulturelle Entwicklung ausmacht, kann man die Augen nicht vor der nivellierenden Tendenz verschließen, die von einer solchen synkretischen Ansicht mitsamt ihren verzichtbaren Nebenwirkungen eventuell ausgehen kann. Wissenschaft und Technik hat verdinglichenden Charakter. Kunst prinzipiell das Vermögen, sich aus der Verdinglichung heraus zu winden. Repräsentationalistische Methoden kontrastieren hier zu prozessualen, wenn man letztere überhaupt als “methodisch” begreifen kann. Wahrscheinlich ist es besser, “methodisch” mit “performativ” begrifflich zu komplementieren.

Nunja. Jedenfalls kommt man bei dem so genannten Guerilla-Marketing auf die Erkenntnis, dass es schlechtes und gutes Marketing gibt. Nach dieser Vorstellung ist der Einsatz von von Aktionskunst kaum noch zu unterscheidenden Marketingaktionen, die so gar nicht als Marketing-Strategien daherkommen, ein Beispiel guten Marketings. Das Moorhuhn und das lonlygirl-Phänomen auf YouTube sind nur zwei Beispiele, deren virale Verbreitung einem Teilbereich des Guerilla marketings auch den Namen “virales Marketing” verlieh. Mit netztheoretischen Modellen, die mit epidemiologischen Theorien zur Ausbreitung von Infektionen angereichert sind, lassen sich die Ideenausbreitungen recht passabel beschreiben. Aus Sicht der Marketing-Leute wünscht man sich eine langanhaltende Epidemie der eigenen Marketingidee. Empirisch lässt sich die Effizienz einer Marketingmaßnahme an den in Weblogs und Foren sich niederschlagenden Diskussionen und Reaktionen erfassen. Grundsätzlich ergibt sich durch die Adaptation des Modells auf das gesellschaftliche Verhalten eine mächtige Prädiktionsmaschine. Kunst ist hier also ein Rädchen im sozialdarwinistischen Getriebe, wie Richard Dawkins ohnehin schon immer wusste. Übrigens wird die virale Dynamik der Blogs selbst in den Blogs ganz begeistert diskutiert. Es erstaunt immer wieder, wie ergodisch sich die Gesellschaft verhält.

Nun, als Epidemiologe weiß man, dass es auch ein Immunsystem gibt, das mit den Viren am Ende, bis auf ein paar bedauerlichen Ausnahmen, fertig wird. Bisher ist mir allerdings diese Analogie im Kontext des viralen Marketings mit der hier gemeinten konterkarierenden Wirkung noch nicht begegnet. Mag nicht unbedingt verwundern. Oder doch? Immerhin scheint virales Marketing sehr souverän aufzutreten. Jedenfalls möchte ich hier die Abwehrkraft, auf die die Kunst sicher nicht reduzierbar ist, aber zumindest als eines ihrer wesentlichen Merkmale diagnostiziert werden kann, ins Feld führen. Kunst, die die zunehmende Verdinglichung der Menschen durch die Informationstechnologien zu konterkarieren vermang, sollte in diesem ihrem Tun motiviert werden. Übrigens sei abschließend betont, dass die performative Wissenschaft sich der Problematik sehr bewusst ist und alles andere als eine Nivellierung der “zwei Kulturen” verlangt, sondern eher eine dritte Episteme im Zwischenraum definiert. Vielleicht genügt die Subversivität der Kunst als Wertekanon, auf den sich zu besinnen genügt. Weitere Patentrezepte sind nicht zu erwarten.

Der Neujahrsschock für Bibliophile

Mittwoch, Januar 3rd, 2007

Also liebe Bücherliebhaber, wenn man, sagen wir, jede Woche ein Buch liest und zur Vereinfachung der Rechnung etwa 60 aktive Lesejahre annimmt, die einem zur Verfügung stehen, so kommt man auf lächerliche 3120 Bücher in seinem Leben. Ok, man liest nicht jedes Buch ganz - insbesondere die schlechten. Manche Leser haben einen höheren Durchsatz. Aber über 10000 zu kommen, scheint mir ohne zahlungskräftigen Mäzen, den einem den Lebensunterhalt garantiert, fast unmöglich zu sein. Da ist guter Rat teuer, welches Buch lesenswert ist. Peter Weibel, der schnellste Mann der Welt - seine Lieblingscharakterisierung laut eigener Aussage in einem Dokumentarfilm über das ZKM (“Peter Weibel und das neue ZKM” von Gabi Reich) - gibt vermutlich mehr Bücher heraus, als die meisten Menschen je lesen können. Eins pro Woche scheint mir nicht übertrieben. Damit wäre das Kontigent eines Sterblichen schon vorgegeben. Einziger Ausweg wäre ein SQUID, eine im Science Fiction Thriller “Strange Days” benutze Kappe, mit der man die Information direkt ins Hirn einspielen kann. Weibel, der diese Kappe liebt, ja vielleicht sogar eine hat, schreibt darüber in dem von ihm mit herausgegebenen Buch “Sciences of the Interface“. Soll aber nicht heißen, dass ihr das etwa lesen müsst. Werft lieber einen Blick in “Performative Science and Beyond“, worin ich, unter anderem, die verdinglichende Wirkung solcher wunschmaschinenartigen Techniken behandle. Damit wir uns richtig verstehen, das ist ganz und gar keine Moralkeule. Ich gönne jedem den MacLoader, oder was es sonst noch so an Bildersuchmaschinen gibt, die mich teilweise an unseren EyeVisionBot erinneren und die die Wunschbilder im Internet ganz schnell finden, d.h., den Wunsch von den Augen ablesen. Damit lässt sich die Spielwiese für Erwachsene ganz effizient abgrasen. Naja, Jedem das Seine oder Jeder das Ihrige. Man kann auch ohne Bücher auskommen. Ich wünsche Euch ein lesereiches oder, je nach Belieben, bilderreiches 2007.